Woher rührt Ihre grosse Begeisterung für Maschinenbau und Verfahrenstechnik?

Leute aus meinem direkten Umfeld wie Eltern, Familie und Lehrer hatten einen wesentlichen Einfluss auf meine persönlichen Interessen, Leidenschaften und meinen Werdegang.

Meine Eltern sind Mathematiklehrer. Sie gaben mir bestimmt eine gute Basis. Später entschied ich mich, Informations- und Computertechnik zu studieren.

Dabei gaben mir die interessanten und kreativen Projekte, die ich jeweils wählte, einen grossen Antrieb. So hat das eine das andere ergeben.

Mit welchen grossen Herausforderungen wurden Sie während Ihres Studiums konfrontiert?

Die harte Arbeit, die das Studium von einem abverlangt. Um mich im Studium behaupten zu können, musste ich zudem lernen, wie man richtig lernt.

Aufgrund des ständigen technologischen Fortschritts muss man immer am Stoff dranbleiben. Das Wissen, mich inmitten dieser rasanten Entwicklung zu befinden, motivierte mich aber zugleich extrem.

Wie wichtig war der Faktor Talent in Ihrer Laufbahn?

Den grössten Unterschied macht meiner Erfahrung nach nicht das Talent, sondern der Wille, hart zu arbeiten, sowie das Interesse für die Materie.

Deshalb ist auch die Rolle der Lehrer so entscheidend: Ein guter, passionierter Lehrer weiss, wie er das Interesse seiner Schüler wecken kann. Ich hatte das Glück, solche Lehrer und Lebens-Mentoren zu haben.

Was fasziniert Sie am meisten an der Robotik und Computervision?

An der mobilen Robotik fasziniert mich, eine Idee zu programmieren und sie anschliessend in Realität umzusetzen, sodass der Roboter die Befehle ausführt.

Die Computervision als mein zweiter Arbeitsbereich fasziniert mich, weil sie vom visuellen System des Menschen inspiriert ist. Es gibt unzählige Aufgaben in unserem Alltag, die wir automatisieren können, um unser Leben einfacher zu gestalten. Dies treibt mich und mein Forschungsteam in unserer Arbeit an.

Worin genau besteht Ihre Forschung?

Wir entwickeln bildbasierte Wahrnehmungsfunktionen für Roboter mit Fokus auf kleine Drohnen. Einfach gesagt, bringen wir Robotern das Sehen bei. Unsere Arbeit ist ein technologischer Schritt, um Roboter mit mehr Autonomie zu versehen.

« Wir müssten noch viel mehr Frauen dazu ermutigen, die alten Stereotype herauszufordern und sich an Bereiche heranzuwagen, die früher nur Männern vorbehalten waren »

Die speziellen Eigenschaften von Drohnen – sie sind sehr klein und agil – sind wissenschaftlich höchst interessant. Denn ihre Grösse bedingt begrenzte Rechenleistung und Nutzlast, was die Wahl geeigneter Sensoren und Algorithmen für den Einsatz auf den Plattformen zur grossen Herausforderung macht.

Die Flugdauer unserer Drohnen beträgt maximal 15 Minuten. Das gilt es zu verbessern. Finden wir eine Lösung für die kleinen Drohnen, lässt sich das Konzept auf andere, grössere Anwendungen wie beispielsweise selbstfahrende Autos übertragen.

Wie verhält es sich mit der Frauenquote in Ihrem Forschungszweig?

Ich gehörte bereits während meines Studiums zur Minderheit. In England betrug der Frauenanteil zwischen 20 und 30 Prozent.

Hier an der ETH Zürich, wo ich zum Departement Maschinenbau und Verfahrenstechnik gestossen bin, scheinen wir Frauen noch einige weniger zu sein. Doch wir sind auf einem guten Weg, wenn man bedenkt, wie es noch vor ein paar Jahren aussah.

Werden MINT-Fächer Ihrer Meinung nach genug gefördert? 

MINT-Fachrichtungen erhalten durch ihre starke Eingebundenheit und Präsenz in unserem täglichen Leben viel Aufmerksamkeit. Die Frauenquote in diesen Lehrfächern und Arbeitsbereichen ist jedoch sehr tief.

Wir müssten noch viel mehr Frauen dazu ermutigen, die alten Stereotype herauszufordern und sich an Bereiche heranzuwagen, die früher nur Männern vorbehalten waren. Ich denke, die Gesellschaft würde dies durchaus begrüssen und auch sehr davon profitieren.

Wenn Sie eine Prognose für die Zukunft der Technik und ihre Folgen für die Arbeitswelt wagen müssten?

Wir alle haben die Pflicht, die technologische Entwicklung genau zu hinterfragen. Ich bin eine positive Person und denke, dass die Gesellschaft diesen Prozess in die richtige Richtung lenken wird. Mich faszinieren moderne Technologien, wie beispielsweise Smartphones, die unser alltägliches Leben mitbestimmen, vereinfachen und darin integriert sind. 

So würde ich auch gerne unsere Zukunftstechnologien sehen – als neue Technologien, die unser Leben einfacher gestalten. Sie sollen uns auch nicht ersetzen, sondern uns repetitive, gesundheitsschädliche Arbeiten abnehmen.

Für unsere Drohnensysteme hoffe ich sehr, dass sie ausschliesslich für gute Zwecke wie zum Beispiel Rettungseinsätze und Erkundung von Gefahrenzonen zum Einsatz kommen werden.