Zwischen familiärer Geborgenheit und digitaler Überforderung

Was eine Generation ausmacht, sind weniger die Geburtsjahre, sondern die sozialen und technischen Umstände, in denen eine Altersgruppe (Kohorte) aufwächst.

Diese Umstände prägen eine neue Normalität, die von jungen Menschen nicht infrage gestellt wird, weil sie ein «davor» nicht mehr kennen.

Weichenstellung einer anderen Gesellschaft

Die Generation Y kennt die analoge Zeit, in der Briefe von Hand oder mit der Schreibmaschine geschrieben wurden. Und sie hatten Lust sich auf Neues einzulassen, als das Internet immer neue Möglichkeiten schuf.

Anstatt darauf zu warten, dass jemand ihre Weichen auf Karriere stellt, haben viele von ihnen einfach gemacht: alte Geschäftsmodelle durch digitale revolutioniert und mit radikaler Selbstinszenierung über YouTube & Co. sich selbst als Marke gemacht.

Egal, ob als Start-up-Gründer oder Konsumenten, die Generation Y ist die Triebkraft dieses Wandels, weil sie Veränderungen feiern. Alle? Nein, nicht alle. Da die Generation Y die Zeit davor kennt, gibt es noch Momente, in denen ihre Vertreter*innen melancholisch werden:


«Weisst du noch, wie wir früher …»
 

Früher ist vorbei, weil die Generation die bequemeren, praktischeren oder billigeren neuen Möglichkeiten fröhlich nutzt: von Homeoffice bis Online-Shopping und von Netflix bis Tinder.

Je jünger die Vertreter*innen der Generation Y, desto weniger Sorgen machen sie sich über den Umgang mit ihren Daten. Eine typische Reaktion zu App-Nutzungsrechten:


«Ist doch ok, wenn ich dafür einen guten Service nutzen kann.»
 

Kennen Sie Mark Zuckerberg und Julien Bam? Beide gehören der Generation Y an. Mark Zuckerberg hat mit Facebook und Instagram verändert, wie wir kommunizieren und unsere «Freunde» auch im Digitalen unsere wichtigsten Influencer sind.

Julien Bam ist der erfolgreichste deutschsprachige YouTuber und macht vor, wie die neuen Stars Nahbarkeit und Professionalität managen. Wie anstrengend das ist, melden Psychologen, weil immer mehr YouTuber sich auf ihren Couches wegen Burnout beraten lassen.  

Die Superchallenge: Vertrauen im Real Life

Wie treffen Sie wichtige Entscheidungen? Vermutlich indem Sie innehalten, sich die Möglichkeiten bewusst machen und in sich hineinhorchen.

Wissen Sie, wie schwer es für die Generation Y ist, sich in den wichtigen Lebensphasen von Bildung, Berufseinstieg und Partnerschaft zu orientieren? Die Anzahl an Möglichkeiten ist gefühlt unendlich, die Informationen darüber fake und Momente der Ruhe sind selten ruhig.
 

WhatsappBiep! Ah, wer hat geschrieben? Schnell antworten.
 

Die Angst etwas zu verpassen, veranlasst viele, ständig nachzusehen, wer geschrieben hat, oder ob schon jemand auf Posts reagiert hat. Das Phänomen hat einen eigenen Hashtag: #FOMO (fear of missing out). Wer es schafft, abzuschalten, erntet Bewunderung und kann die Offline-Erlebnisse mit einem anderen Hashtag versehen: #JOMO (joy of missing out :)

Die Generation Y orientiert sich mit den (digitalen) Empfehlungen von Freunden und Ratings.

Empfehlungen und Ratings sind die digitale Währung, um im Real Life Vertrauen zu bekommen und Entscheidungen in allen wichtigen Lebensbereichen zu treffen: Freizeit, Reisen, Shopping, Liebe, Ausbildung, Beruf …  

Das Wichtigste: die Familie

So viele soziale Beziehungen sind heute digital und nicht mehr physisch greifbar. Wer nimmt einen dann in den Arm, wenn der Leistungsdruck an einem nagt und es mal nicht so gut läuft? Aus diesem Grund wird das Bedürfnis nach Familie immer grösser.

Diesen Trend beobachte ich seit 2010 und er nimmt zu: Eltern sind die wichtigsten Vorbilder, Familie ist der wichtigste Wert der Generation Y und der Zusammenhalt in ihrer Familie ist das, was die Lebenssituation der Generation Y am stärksten prägt.

Ausblick

Die Generation Y stellt die nächste Generation in den Chefsesseln. Sie sind die Architekten unserer Zukunft. Wer diese Zukunft verstehen möchte, findet spannende Erkenntnisse in den Interviews dieses Generation-Y-Specials und in der aktuellen Studie «Junge Schweizer 2018».

So viel vorweg: Mit der Generation Y werden Organisationen flexibler, bunter und weniger hierarchisch. Städte werden voller – auf dem Land wird’s ruhiger.

Was digital passiert, wird nahtloser ins Real Life integriert und vernetzt. Und: Zukunft ist nicht Schicksal, sondern das, was wir gestalten. Ich freue mich darauf.

Erfahren Sie mehr:

www.simon-schnetzer.com/generation-y