Welches, Herr Casty, sind Ihrer Erfahrung nach die grössten Hürden bei der Lehrstellensuche?

Viele Jugendliche haben Probleme, ihre eigenen Fähigkeiten und Interessen zu erkennen. Es kommt oft vor, dass sich die Jugendlichen einerseits selbst überschätzen und anderseits die Anforderungen der Berufe unterschätzen.

Online-Schnuppern und Schnuppern vor Ort sind die wichtigsten Aktivitäten.

Oftmals kennen die Schüler nicht mehr als 5 bis 10 Lehrberufe und interessieren sich maximal für 3 – und dies, obwohl es über 230 Berufslehren gibt. Beeinflusst werden sie vor allem von den Eltern und Lehrpersonen. Meine Empfehlung ist, dass man sich aktiv mit einem «Plan B» befasst und möglichst viele Berufe schnuppern geht. Online-Schnuppern und Schnuppern vor Ort sind die wichtigsten Aktivitäten.

In welchen Branchen mangelt es an interessierten Schulabgängern?

Es sind klassischerweise die Berufe in der Baubranche, im Handwerk, in der Gastronomie und auch im Handel. Daneben betrifft es aber auch unbekannte Berufe wie Recyclist sowie Netzelektriker, Textiltechnologe, Gebäudereiniger oder Gärtner.

Wie hat sich die Lehrstellensuche in den letzten Jahren verändert?

Die Digitalisierung spielt hier eine wesentliche Rolle. Die Lehrstellensuche entwickelt sich von offline zu online. Hier ist es besonders wichtig, wie sich ein Unternehmen präsentiert. Früher war es Standard, Hochglanzfotos zu produzieren und sich in Broschüren oder auf Flyern in ein möglichst gutes Licht zu rücken. Von der heutigen Generation, die mit Social Media aufwächst, wird ein deutlich authentischerer Auftritt gefordert.

Für Unternehmen, die heute Lernende suchen, bedeutet dies, dass die im Unternehmen arbeitenden Lernenden und die Berufsbilder ihren Auftritt im Internet mit echten Bildern oder Videos gestalten müssen. Auch ist es wichtig, dass die Schüler rasch und bedienerfreundlich von der Information zur Bewerbung geführt werden.

Wie ist das Verhältnis der Anzahl junger Männer zur Anzahl junger Frauen, die sich für einen Beruf im technischen Bereich oder in der Informatik entscheiden?

Die Branche IT, Kommunikation und Internet ist bei Lernenden die zweitbeliebteste Branche überhaupt. Als Gründe dieser Zufriedenheit werden primär die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sowie die Ausführung herausfordernder Tätigkeiten genannt. Während diese Berufe bei Frauen noch einigermassen im Trend sind, leiden alle technischen Berufe enorm unter dem Mangel an weiblichem Nachwuchs.

Junge Frauen werden schon sehr früh von Technik «entfremdet». Die Ursachen sind in der Gesellschaft verwurzelt und stellen für die Maschinen- und Elektroindustrie eine Herausforderung dar. Denn diese Branche hat enormen Fachkräftebedarf und die Einsteiger haben bessere Aufstiegschancen als in der IT-Branche.